Opfer von Zwangssterilisierungen, Zwangskastrationen und Zwangsabtreibungen

In der Schweiz wurden bis in die 1980er-Jahre Zwangssterilisationen, Zwangskastrationen und Zwangsabtreibungen durchgeführt. Das „Einverständnis“ der Betroffenen verschafften sich Behörden und Ärzte oftmals durch Zwang oder Ausübung massiven Drucks. Fürsorgeempfängerinnen wurde etwa mit dem Entzug der Unterstützungsgelder gedroht. Abtreibungen wurde oftmals nur bewilligt, wenn die Frauen gleichzeitig in eine Sterilisation einwilligten. Auch mit der Einweisung in eine Anstalt wurde gedroht.

Das Parlament lehnte einen Vorstoss für eine Wiedergutmachungszahlung im Jahr 2004 ab. Fünf Jahre später, im November 2009, tadelte der Menschenrechtsausschuss der UNO in seinem dritten Menschenrechtsbericht die Schweiz, weil sie nichts getan habe, um die bis „1987 durchgeführten Zwangskastrationen zu entschädigen und anderweitig wiedergutzumachen“. Der Ausschuss empfahl der Schweiz, das „begangene Unrecht durch Formen der Genugtuung, einschliesslich einer öffentlichen Entschuldigung, wiedergutzumachen“. Dies ist bis heute nicht geschehen.

Strebel, Dominique (2011): Schweiz verweigert Wiedergutmachung (Beobachter 3/2011).